Theo Albrecht, Mitgründer der ALDI Discounterkette, ist vor fünf Tagen verstorben. Das tut mir echt leid.
Sein letzter offizieller Auftritt war am 17. Dezember – festhalten – 1971. Da war er nämlich gerade – gegen die bescheidene Summe von 7 Millionen Deutschen Mark – aus den Händen seiner Entführer gekommen. Diese hatten ihn in einem Buch über reiche Deutsche gefunden, anschließend am 29. November verschleppt und für gut zwei Wochen gefangen gehalten. Hier ist anzumerken, dass das ihr dritter Anlauf war. Wie ich bei SPON lesen konnte, hatte sie beim ersten Mal der Mut verlassen (:D) und beim zweiten Mal hatten sie ihre Pistolen vergessen (noch mehr
). Umso überraschender finde ich es bei den zwei Vollprofis, dass sie es dann doch noch hinbekommen haben. Theo musste fortan für 17 Tage im Kleiderschrank der Anwaltskanzlei eines der Entführer hausen … was ihn tief traumatisiert hat. (Andere Leute werden in dreckigen Kellern gehalten. Was sollen die denn dazu sagen?) Der Ruhrbischof Franz Hengsbach übergab dann das Lösegeld am 16. und Theo kam wieder frei (Das muss man ihnen lassen, voll die Amateure aber Ganovenehre hatten sie noch!). Seitdem hat Theo nie wieder ein Wort mit Reportern gewechselt und hat sich auch nicht fotografieren lassen. (Acht Jahre später erschien er jedoch noch einmal in den Medien, weil der alte Schotte die Lösegeldsumme [welche nur zur Hälfte wieder gefunden wurde] als betriebliche Sonderausgabe steuerlich geltend machen wollte
Ich frag mich, ob er selbst auf die Idee gekommen ist oder ob solche Tipps wirklich von Steuerberatern gegeben werden ^^) Diese Philosophie hat sich dann auf die ganze Familie sowie all seine Unternehmen ausgeweitet. – Nun frage ich mich jedoch, wieso er sich jedes Jahr mit Kontostand im Forbes Magazine abbilden lässt, wo die die Leute doch nur aufnehmen, wenn sie es wollen?
Egal. Die Klappe halten sollten auch noch ganz andere Leute.
Ich bin nun nicht der Superfreund von Christian Wulff, unserem neuen Bundespräsidenten, aber an manchen Stellen geht mir die deutsche Sorge um ihre Politiker doch zu weit.
Dieser war nämlich vor kurzem im Urlaub. (Wundert mich, dass sich keiner darüber beschwert hat, dass er überhaupt welchen nimmt…) Zunächst einmal hielt es Spiegel Online für notwendig anzumerken, dass er mit seiner Frau und Kindern dort war. Ja klar war er das! Soll er mit ‘ner Nutte dorthin fliegen oder was? Dann war er auf Mallorca. Allerdings nicht am Ballermann, sondern in der Villa von Carsten Maschmeyer. Dieser ist der Gründer von AWD – hat demnach verdammt viel Kohle – und die beiden kennen sich noch aus Christians Zeiten in Niedersachsen. Old homies also. Das Bundespräsidialamt sah sich aber nun genötigt zu verkünden, dass der Christian nicht von seinem Freund eingeladen wurde, sondern selbst bezahlt hat. Auf was für einem Planeten leben wir denn bitte? Wichtig ist doch erstmal, dass er seinen Urlaub nicht vom unseren Steuern bezahlt (ey, ich kann das jetzt sagen – wie geil ^^). Das hat er nicht und der Rest kann uns egal sein. Und wer mir jetzt einen auf Bestechung machen will, der kann es gleich stecken lassen. Wenn der Carsten was vom Christian will, dann machen die das eh bei ner Flasche Whiskey aus. Man schreibt heutzutage ja auch keine kartellrechtlich verbotenen Absprachen mehr auf und will den anderen dann auch noch verklagen, wenn er sich nicht dran hält. Oder darf sich das der Christian in Zukunft so vorstellen?
Schwiegermutter: Christian, wie geht’s so?
Christian: Danke, ganz gut. Viele öffentliche Termine. Mal Gesetz unterschreiben, mal nicht. Und selbst?
Schwiegermutter: Och ja, ganz gut. Ihr könnt die Kinder übers Wochenende ja auch mal wieder vorbei bringen.
Christian: Ja, das wäre toll.
Schwiegermutter: Weswegen ich eigentlich anrufe. Wir wollten dich, Bettina und die Kinder heute Abend zum Italiener einladen. Der Sarkozy war bei dem und hat danach super davon geschwärmt, also muss er wohl gut sein.
(denkt) Christian: Der war hier und hat mir nicht mal hallo gesagt? Na den werd ich dann erstmal anrufen!
(redet wieder) Christian: Nee, tut mir leid. Das geht nicht. Weil, ihr könntet mich ja bestechen wollen. [Gedankenpause] Aber wir können uns auf ne Curry Wurst „Unter den Linden“ treffen. Sechs Uhr? Was haltet ihr davon?
Schwiegermutter: Ja, das klingt super. Bis dann. Und vergesst die Urlaubsfotos nicht!
Christian: Machen wir. Tschüss.
Schwiegermutter: Tschüss.
[Beide legen auf]
Selbst ich hoffe das für ihn nicht.
Und dass Carsten den Gerhard auch geduzt hat und sein ehemaliger Regierungssprecher jetzt Kommunikationschef bei AWD ist, ist auch kein Thema welches es wert ist anzusprechen. So spielt nunmal das Leben. Connections sind einfach mal Gold wert und daran wird sich auch nie was ändern.